Was ist Migräne und wie sieht die Chinesische Medizin sie?

Frau sitzt am Tisch und hält sich bei Migräne die Hand an die Schläfe

(Foto:Symbolbild, KI-generiert mit Canva)

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Kopfschmerzerkrankung, die durch wiederkehrende Attacken gekennzeichnet ist. Diese können mehrere Stunden bis zu mehreren Tagen dauern.

Häufig sind die Kopfschmerzen einseitig und pulsierend und können sich bei körperlicher Aktivität verstärken.

Bei manchen Menschen tritt vor oder während der Kopfschmerzphase eine sogenannte Aura auf. Dabei können beispielsweise vorübergehende Sehstörungen oder Kribbeln auftreten.

Zudem sind die Attacken häufig von Übelkeit und einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen begleitet.

Migräne ist mehr als „starker Kopfschmerz“. Die Kopfschmerzattacke ist nur ein Teil der Erkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Migräne oder Spannungskopfschmerz?

Die beiden Kopfschmerzformen können sich in ihren Merkmalen überschneiden. Die Abgrenzung ist deshalb nicht immer eindeutig.

Dennoch gibt es einige typische Unterschiede.

Migräne

  • Schmerz: häufig pulsierend
  • Lokalisation: häufig einseitig
  • Stärke: mittelstark bis stark
  • Bewegung: kann den Schmerz verstärken
  • Übelkeit: häufig
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit: häufig

Spannungskopfschmerz

  • Schmerz: eher drückend
  • Lokalisation: meist beidseitig
  • Stärke: eher leicht bis mittelstark
  • Bewegung: verstärkt den Schmerz normalerweise nicht
  • Übelkeit: normalerweise nicht
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit: höchstens eingeschränkt

Auch die Dauer kann sich überschneiden und ist deshalb allein kein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal.

Warum suchen Betroffene nach nichtmedikamentösen Möglichkeiten?

Menschen mit wiederkehrender Migräne oder häufigen Kopfschmerzen suchen aus unterschiedlichen Gründen nach ergänzenden oder nichtmedikamentösen Möglichkeiten.

Manche möchten zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten kennenlernen. Andere erleben Medikamente als nicht ausreichend wirksam oder nicht gut verträglich.

Auch der Wunsch, den Umgang mit wiederkehrenden Beschwerden langfristig zu verbessern, spielt eine Rolle.

Hinzu kommt, dass häufige Kopfschmerzen die Lebensqualität und den Alltag erheblich beeinträchtigen können. 

Was die Forschung zu Akupunktur bei Migräne sagt, lesen Sie in meinem Beitrag „Akupunktur bei Migräne – was sagt die Forschung?“.

Migräne aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) betrachtet Schmerzen aus einer anderen Perspektive als die westliche Medizin.

Schmerzen können in der TCM entstehen, wenn Qi und Blut nicht frei fließen. Sie können aber auch mit einem Mangel an Qi oder Blut erklärt werden, wenn der Kopf dadurch nicht ausreichend versorgt wird.

Qi wird häufig mit „Lebensenergie“ übersetzt. Der Begriff beschreibt jedoch ein Konzept innerhalb des traditionellen chinesischen Medizinsystems und keine wissenschaftlich messbare Energie.

Ein zentraler Gedanke der TCM: Sie fragt nicht nur, wo es weh tut. Sie fragt auch, welches individuelle Muster sich hinter den Beschwerden zeigt.

Aus Sicht der TCM werden Beschwerden unter anderem anhand der betroffenen Leitbahnen eingeordnet. Deshalb ist zunächst wichtig, welche Leitbahnen die Kopfregion versorgen, in der der Schmerz auftritt.

Dabei werden verschiedene Kopfbereiche unterschieden, die jeweils bestimmten Leitbahnen zugeordnet sind. Diese Bereiche können sich überschneiden. Die betroffene Region ist deshalb ein erster Anhaltspunkt für die Auswahl geeigneter Akupunkturpunkte.

Darüber hinaus betrachtet die TCM die individuellen Begleitumstände und Beschwerden. Daraus ergeben sich sogenannte Disharmoniemuster. Für die folgende Betrachtung lassen sich diese grob in äußere und innere Muster einteilen.

Äußere Disharmoniemuster

Treten Migräneattacken wiederholt bei Infekten oder Wetterwechseln auf, kann das aus Sicht der TCM auf ein äußeres Muster hinweisen.

In der TCM gilt Wind als wichtiger äußerer pathogener Faktor. Er wird häufig zusammen mit Kälte beschrieben. Nach diesem Modell kann Wind die Körperoberfläche beeinträchtigen. Dadurch können weitere äußere Faktoren leichter eindringen. Sie können den Fluss von Qi und Blut in den Leitbahnen stören.

Eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Zugluft kann ein weiterer Hinweis sein.

Innere Disharmoniemuster

Bei inneren Disharmoniemustern stehen Ungleichgewichte im energetischen System der inneren Organe im Vordergrund. Dazu gehören etwa die zyklusabhängige oder emotional ausgelöste Migräne.

Befindet sich der Körper generell in einem Mangelzustand, kann das nach Vorstellung der TCM den Kopf mangelhaft versorgen. Zusätzliche Erschöpfung oder Schlafmangel können das verstärken. Auch Kopfschmerzen bei Flüssigkeitsmangel gehören beispielsweise dazu.

Bei einer geschwächten Konstitution fallen äußere Einflüsse nach traditionellem Verständnis leichter ins Gewicht. Innere und äußere Faktoren können sich gegenseitig beeinflussen.

Auch langanhaltende Wut und Groll können nach Vorstellung der TCM die Zirkulation von Energie und Blut beeinträchtigen. Dadurch kann eine Stagnation entstehen.

Welche Einordnung im Einzelfall passt, lässt sich nicht allein aus einem Auslöser ableiten. Zusätzliche Hinweise liefern die Zungenbeschaffenheit, der Puls und die jeweiligen Begleitsymptome.

Warum wird in der TCM nicht jede Migräne gleich behandelt?

In der TCM geht es nicht darum, ein festes Akupunktur-Schema für Migräne anzuwenden. Entscheidend ist die individuelle Beschwerdesituation.

Begleitsymptome, Verlauf und weitere Befunde der TCM-Diagnostik fließen in die Auswahl der Behandlung ein.

Dabei können mehrere Behandlungsstrategien miteinander verbunden werden:

  • Die betroffene Leitbahn wird reguliert und durchgängig gemacht.

  • Liegt ein äußerer pathogener Faktor vor, wird dieser nach TCM-Verständnis ausgeleitet.

  • Bei einem inneren Disharmoniemuster wird das beteiligte Organsystem energetisch ausgeglichen.

In der TCM kann Migräne mit Akupunktur behandelt werden. Je nach Muster kommen auch andere Verfahren in Betracht, zum Beispiel Gua Sha, Schröpfen oder Moxibustion.

Welche Strategie im Vordergrund steht, hängt von der jeweiligen Situation ab.

Treten Kopfschmerzen neu auf, werden sie stärker oder verändern sie sich, sollten sie zunächst ärztlich abgeklärt werden. Die TCM kann eine ergänzende Möglichkeit sein.

Möchten Sie die Sichtweise der TCM auf Ihre Beschwerden kennenlernen?

Vereinbaren Sie gern einen Termin in meiner Praxis. Ich nehme mir Zeit für Ihre individuelle Situation.

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