Periphere Polyneuropathie: Wenn Ihre Füße den Boden nicht mehr richtig spüren

Füße einer Person auf einem unebenen steinigen Weg beim Gehen in der Natur

(Foto: Chat GPT)

In Deutschland leiden ca. 5–8% der Bevölkerung an einer peripheren Polyneuropathie¹
Bei Diabetes mellitus gehört sie zu den häufigsten Begleiterkrankungen.

Ebenso entwickeln viele Patienten unter Chemotherapie mit Taxanen oder Platinverbindungen eine Neuropathie.
Wiederum bleibt bei einem Drittel die Ursache unklar.

Viele Betroffene suchen nach Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden.
Denn herkömmliche Therapien beschränken sich oft auf eine symptomatische Behandlung.

In diesem Artikel erhalten Sie einen Einblick, wie die chinesische Medizin (TCM) eine periphere Neuropathie betrachtet.

Inhaltsverzeichnis

Wenn Nerven ihre Signale verändern

Der Beginn ist meist ein undefinierbares Kribbeln in den Extremitäten.

Typischerweise beginnen die Beschwerden in den Füßen.
Sie steigen im Verlauf allmählich bis zu den Knien auf.

Es kann zu Taub- oder Kribbelgefühlen oder brennenden Schmerzen kommen.
Diese Veränderungen entwickeln sich meist schleichend und bleiben lange unklar.

Barfuß auf unebenem Waldboden beim Gehen

(Foto: Chat GPT)

Was im Nervensystem passiert

Ursache können Veränderungen an den Nervenfasern selbst sein.
Auch die isolierende Hülle der Nerven kann beeinträchtigt sein.
Dadurch verlangsamt sich die Signalübertragung oder wird ungenau.
Zusätzlich kann auch die feine Durchblutung und Versorgung des Nervengewebes gestört sein.
Erhält ein Nerv zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe, leidet seine Funktion.

Probleme der Tiefensensibilität

Besonders betroffen sein kann auch die Tiefensensibilität.
Ihre Füße nehmen den Boden dann nicht mehr zuverlässig wahr.

Unebenheiten können unbemerkt bleiben, wodurch Ihr Gleichgewicht unsicher werden kann.

Auswirkungen auf Ihren Alltag und Ihre Sicherheit

Die veränderte Wahrnehmung des Bodens erhöht Ihre Sturzgefahr im Alltag zunehmend.

Einige Betroffene beschreiben dies auch als ein Gefühl von „Schwindel“ beim Gehen.
Im Sitzen besteht dieses Gefühl jedoch meist nicht.

Lange Gehstrecken werden zur Herausforderung.
Die Frage „schaffe ich das“ begleitet viele Betroffene.

Auch stechende oder krampfartige Schmerzen sind im Alltag belastend.
Sie beeinträchtigen zusätzlich den Schlaf und verstärken nächtliche Unruhe.

Akupunkturnadeln und chinesische Kräuter neben einer Akupunkturfigur auf einem Holztisch

(Foto: Chat GPT)

Aus Sicht der TCM

Die periphere Polyneuropathie wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Ausdruck eines inneren Ungleichgewichts verstanden.

Grundlegend beschreibt die TCM ein Gleichgewicht zwischen Yin und Yang.
Yang steht für Bewegung, Funktion und Transformation.
Yin steht für Substanz, Kühlung, Befeuchtung und nährende Gewebestrukturen.

Häufige Grundmuster

Häufig liegt ein Yin-Mangel als zugrunde liegende Wurzel vor.
Dann fehlen dem Körper nährende Substanz und Versorgungstiefe.

Gleichzeitig können Stagnationen und Blockaden in den Leitbahnen entstehen.

Milz und Schleimbildung

Die Milz ist in der TCM für Transformation und Transport von Nahrung und Flüssigkeiten zuständig.
Ist ihre Funktion geschwächt, kann sich Feuchtigkeit im Körper ansammeln.

Diese kann sich im Verlauf zu Schleim verdichten.

Feuchtigkeit und Schleim blockieren die Leitbahnen (Meridiane) und Kollateralen (Äste der Leitbahnen).
Dadurch können Qi und Blut nicht mehr frei zirkulieren.

Die Extremitäten werden unzureichend versorgt, was sich in Taubheit, Kribbeln oder Schweregefühl äußern kann.

Bei Stagnation von Qi und Blut können zusätzlich Schmerzen entstehen.

Rolle der Niere

Die Niere steht in der TCM für Wachstum und Regeneration.
Ist sie geschwächt, kann die regenerative Substanz reduziert sein.
Dies kann die Versorgung und Stabilität der Nerven zusätzlich beeinträchtigen.

Abschluss und Impuls

Die periphere Polyneuropathie zeigt, dass Nervenfunktionen aus dem Gleichgewicht geraten sind.
Dabei stehen nicht nur Symptome im Vordergrund, sondern zugrunde liegende Prozesse im Körper.

Aus ganzheitlicher Sicht kann die Versorgung der Nerven eine zentrale Rolle spielen.
Auch Regulationsmechanismen des Organismus können beeinflusst sein.

Ein erster Schritt ist oft die bewusste Wahrnehmung des eigenen Körpers.
Achten Sie darauf, wie sicher sich Ihre Schritte anfühlen.

In meiner Praxis sehe ich täglich, wie kleine Schritte große Veränderungen bringen.

¹ Quelle: AMBOSS Wissen / Deutsche Neurologische Fachliteratur

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